ERITREA : Die Geschichte Asmaras

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Die Geschichte Asmaras

Asmara, die Hauptstadt Eritreas, beherbergt in ihrem Kern eines der groessten erhaltenen Ensembles moderner europaeischer Architektur. Nur Miami South Beach, Tel Aviv und Napier (Neuseeland) bieten aehnliche Ensembles dieser Epoche. Asmara blickt auf eine 700jaehrige Geschichte zurueck. Der Name bedeutet “die Vereinigte” — vor Jahrhunderten schlossen sich vier Siedlungen zusammen. Die Entwicklung zur modernen Stadt begann jedoch erst 1889 mit der Besetzung durch italienische Kolonisten und der Einrichtung eines Militaerstuetz-punktes.

1900 wurde Asmara Hauptstadt der italienischen Kolonie Eritrea. Aber erst mit der Machtergreifung Mussolinis 1922 entwickelte sich die Stadt in nur wenigen Jahren bis 1941 zu einer modernen Grossstadt im europaeischen Stil. Mussolini, dem ein italienisches Imperium all’antica vorschwebte, nutzte Eritrea — und insbesondere die Stadt Asmara – als Ausgangspunkt fuer seinen Abessinienfeldzug. Um seinen Anspruch auch sichtbar zu manifestieren, schickte der Diktator eine Vielzahl von jungen italienischen Architekten und Stadtplanern nach Asmara und liess sie Verwaltungsgebaeude, Schulen, Fabriken, Kinos, Tankstellen, Villen und Wohnbauten errichten, vor allem im Stil der „architettura razionale“. Es finden sich aber auch zahlreiche Beispiele des Novecento“, „Futurismo“, Neoklassizismus, Neobarocks, Monumentalismus sowie Bauten mit Bezuegen zu den lokalen, eritreischen Bauweisen. Die europaeische Bevoelkerung wuchs von 4.000 im Jahre 1934 auf 70.000 im Jahre 1940. Etwa im gleichen Zeitraum verdoppelte sich die eritreische Bevoelkerung auf 200.000 Einwohner.

In der kurzen Zeit zwischen 1935 und 1941 wandelte sich Asmara von einer Provinzstadt zu einer der modernsten Staedte des afrikanischen Kontinents. Der Sprung Asmaras in die Moderne ist jedoch nicht allein aus urbanistischer und architektonischer Sicht bemerkenswert, sondern reflektiert zugleich die Ambivalenz der Moderne auf dem afrikanischen Kontinent. So steht Asmaras urbane Konstituierung und Bluete gleichzeitig fuer den Faschismus und Italiens expansionistische Politik gegenueber dem damaligen Abessinien (Aethiopien). Koloniale Segregation und die ab dem Jahre 1937 erlassenen faschistischen Rassengesetzte hielten in der Stadtplanung Einzug und begleiteten den Alltag bis zur Eroberung durch britische Truppen im Jahre 1941.

Dennoch hat die eritreische Bevoelkerung im Laufe der Zeit die Stadt angenommen. So hat sich hier im ostafrikanischen Hochland eine einzigartige Stadt der Moderne aus europaeisch-italienischen und afrikanisch-eritreischen Kulturen entwickelt. In dieser Atmosphaere der Toleranz, die auch als „Asmara Style“ bekannt wurde, leben die verschiedenen Kulturen, Religionen, Bevoelkerungsgruppen und Ethnien in der Hauptstadt des seit 1991 unabhaengigen ostafrikanischen Staates zusammen. Das Zentrum fuer die Bewahrung des eritreischen Kulturerbes (CARP) hat 2001 die eritreische Regierung erfolgreich ueberzeugt, das gesamte Stadtzentrum von Asmara unter Denkmalschutz zu stellen.