Andernacher bauen Klinik in Eritrea mit auf

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Andernacher bauen Klinik in Eritrea mit auf

Hilfsprojekt Sanitärfachkräfte reisen nach Afrika

Von Redakteurin Martina Koch M Andernach.

Peter Sprung (rechts) und Jannik Linsel wollen mit ihrem Einsatz die medizinische Versorgung für Kinder in Eritrea verbessern helfen.

Am Anfang stand ein Post auf Facebook: In einem Sanitärforum entdeckte Peter Sprung vom Andernacher Fachbetrieb für Heizung, Sanitär und Solar Sprung & Risos den Aufruf, dass die Hilfsorganisation Archemed Handwerker für den Bau einer Kinderklinik in Eritrea sucht. Als er im Betrieb von seinem Interesse an dem Projekt erzählte, erklärte sich sein Mitarbeiter Jannik Linsel spontan bereit, ebenfalls zum Hilfseinsatz in das ostafrikanische Land reisen zu wollen. Am 14. September steigen die beiden Fachkräfte nun in den Flieger nach Istanbul, von wo es weiter in die eritreische Hauptstadt Asmara geht.

Dort werden die Andernacher neun Tage lang in einem Team aus deutschen Helfern und einheimischen Kräften dafür sorgen, dass das neue Kinderherzzentrum von Archemed eine Wasserversorgung und sanitäre Einrichtungen erhält. „Momentan bekommt das bestehende Kinderkrankenhaus das dringend benötigte Wasser jeden Morgen mit dem Lkw angeliefert. Manchmal sind die Vorräte dann während einer Operation plötzlich aufgebraucht“, beschreibt Sprung die Zustände vor Ort. Mit ihrem Einsatz wollen der 37-Jährige und sein 21-jähriger Kollege dazu beitragen, eine medizinische Infrastruktur für die Behandlung von Kindern aufzubauen.

„Das ist kein Urlaub“, sind sich die beiden Männer bewusst. Das Projekt läuft insgesamt drei Monate lang. Den Rohbau des Kinderherzzentrums haben Einheimische bereits errichtet, die Ehrenamtlichen von Archemed wechseln sich dann bei der Fertigstellung der einzelnen Gewerke ab. Vor Ort lebende Arbeitskräfte sind dabei immer mit von der Partie: „Es geht auch darum, den dort lebenden Menschen zu zeigen, wie die Wasserversorgung funktioniert“, erklärt Linsel. Sie sollen selbst in der Lage sein, das System zu warten, wenn die ausländischen Helfer wieder abgereist sind.

Im Freundes-, Bekannten- und Kundenkreis gab es auf das Engagement der beiden Andernacher in Eritrea fast durchweg positive Reaktionen. Auf die Bitte, Baby- und Kinderbekleidung sowie Spielzeug zu spenden, um es den Bedürftigen vor Ort zukommen zu lassen, war die Resonanz überwältigend: „Innerhalb kürzester Zeit kam ein ganzer Kofferraum voll zusammen“, freut sich Linsel. Die Kinderhilfe Eritrea aus Kruft spendete zudem einen Rollstuhl, den die Andernacher mit nach Eritrea nehmen. Einen Container voller Baumaterialien und medizinischer Geräte hat Archemed bereits auf den Weg nach Eritrea geschickt.

Die Organisation bereitete auch die beiden Andernacher auf ihren Einsatz in dem vom langen Unabhängigkeitskampf gegen den Nachbarn Äthiopien zerrütteten Land vor. Bei der entsprechenden Infoveranstaltung riet man den Helfern etwa dazu, sich nicht für einen Einsatz zu verausgaben – sondern lieber ein anderes Mal wiederzukommen.

Die Andernacher entschieden sich für einen neuntägigen Aufenthalt: „Wir machen dann das, was wir in diesem Zeitraum schaffen“, erklärt Sprung. Gerade im Angesicht der Flüchtlingskrise ist es wichtig, den Menschen dort überhaupt zu helfen, ist der zweifache Vater überzeugt: „Dann können wir später wenigstens sagen: Wir haben versucht, die Welt ein wenig besser zu machen, anstatt nur zu reden.“ Y Weitere Infos zu dem Hilfsprojekt finden Sie im Internet unter www.archemed.org

Foto: Martina Koch Martina Koch Berichtet aus Andernach und der VG Pellenz Tel. 0261/892 356